Skitourenspezialitäten im Allgäu und Kleinwalsertal
Erlebe das Original! Mit diesem Slogan werben die Tourismusstrategen des Kleinwalsertals um Berg begeisterte in das liebliche Hochtal Nähe Oberstdorf zu locken. Wir erliegen dieser Verlockung gern, kennen wir die Berge rund um Riezlern doch schon von vergangen Skitourentagen und wir holten uns hier gern einen Nachschlag…
Wir sind Manuel, Ralph und Ralf und Björn von der Hoch(ski)tourengruppe. Als wir in Mittelberg/Kleinwalsertal ankamen, fanden wir optimale Verhältnisse und gutes Wetter vor. Der Lawinenlagebericht gab geringe Lawinengefahr (1) an, was für uns bedeutete: Mit etwas Vorsicht vor ein gewehten Triebschnee ist fast jeder Hang befahrbar.
Um den Nachmittag am Ankunftstag noch zu nutzen, fuhren wir mit der Bahn zum
Hohen Ifen. Hier konnten wir über einem Wolkenmeer hunderte Gipfel in der Nachmittagssonne bestaunen. Über dem Nebelmeer des Bodensees ragte im Westen der Säntis in den Januarhimmel. Wir querten über das Gottesackerplateu zur Scharte zwischen Toreck und Obere Gottesackerwand. Hier begann unsere Abfahrt die nur auf den letzten Kilometern durchs Mahdtal zäh wurde, da wir Slalom zwischen den Bäumen fahren mussten.
Für den Samstag hatten wir uns über das Hindelanger Bergführerbüro zu einem
„Freeridekurs“ angemeldet. „Freeriden“ ist eine selbständige alpine Disziplin, in der man mit extra breiten Ski abseits gesicherter Pisten gen Tal wedelt. Anders als bei Skitouren benutzt man hier jedoch Liftunterstützung um seine Konzentration einzig auf die Abfahrt zu richten. Mit den breiteren Ski kann man dann auch sportlichere Noten fahren. Anders als beim Skitouren, wo man sich im Aufstieg langsam ins Gelände „rein fühlt“ muss man beim „Freeriden“ sehr schnell die Verhältnisse checken und immer gut durchdachte Entscheidungen treffen.
Der dominierende Berg im Kleinwalsertal ist der „Große Widderstein“. Dieser Klotz zeigt gen Kleinwalsertal seine grimmige Seite, doch auch dieser Berg kann auf einer Route im Süden mit Ski bestiegen werden. Voraussetzung dieser Steilwandtour sind aber absolut sichere Verhältnisse, die meist eher im Frühling anzutreffen sind. Aber wir hatten diesbezüglich Glück und Ralf und Ralph entschlossen sich den Widderstein
anzugehen. Unsere Wege trennten sich, als Manuel und Björn zur Höferspitze abbogen. Dieser Berg weißt ideale Skihänge auf und ist zum Schluss über einen 100 Meter langen Grat zu erreichen. Die Abfahrt machte Freude und wir konnten sogar noch ein wenig Pulverschnee genießen. Bei den beiden Ralfphs gestaltete sich der Aufstieg durch eisige Verhältnisse sehr mühsam, so entschlossen sie sich die letzten 300 Meter die Ski zurückzulassen und den Aufstieg zu Fuß fortzusetzen. Eine gute Entscheidung, denn eine Abfahrt mit Ski in dieser Steilheit hätte keine Fehler erlaubt…
Doch der Widderstein bietet auch noch andere Touren, bei dem der Skitourengeher voll auf seine Kosten kommt. Wir stiegen am nächsten Tag hoch zum Karlstor, eine Scharte zwischen Großen- und Kleinen Widderstein. Hierbei querten wir unter der düsteren Nordwand des Widdersteins. Eine Tour, die zu den großen Klassikern des Allgäus gehört. Die Abfahrt in das andere Tal mit etwas Bruchharsch war anstrengend aber dennoch lohnend.
Der nächste Tag beschenkte uns wieder mit gutem Wetter! Wir starteten unsere Tour im Schwarzwassertal an der Auenhütte. Der Weg führte uns zur Ochsenhöfer Scharte und dort weitete sich unser Blick gen Süden und wir konnten dort unseren weiteren Weg Richtung Grünhorn erblicken. Am letzten steilen Gipfelhang diskutierten wir die Hangsteilheit. Eine Messung ergab ca. 35 Grad. Bei ungünstiger Exposition im Lagebericht und Lawinenwarnstufe 3 heikel. Jedoch bei den aktuellen Verhältnissen kein Stress. Stressfrei war auch die Abfahrt und durch das jauchzen von Björn hatten wir dann auch noch den ersehnten Pulver gefunden.
Der letzte Tag war dann auch ein krönender Abschluss. Die Seilbahn der Nebelhornbahn brachte uns schnell in die Höhe. Vom Skigebiet am Nebelhorn über Oberstdorf fuhren wir ins freie Skigelände. Wir querten das Koblatplateau und fellten dann unsere Ski für den Aufstieg zum Großen Daumen auf. Ein steiler verharschter Hang forderte unsere volle Konzentration und ließ unsere Harscheisen zum Einsatz kommen. Am Gipfel war dann alles klar! Klar war unsere Sicht, klar war unser Geist. Im Süden ragte der Hochvogel sein mächtiges Haupt in den blauen Himmel. Das Alpenvorland lag unter dicken Wolken wir genossen am Berg den Sonnenschein. “Das beste kommt zum Schluss”, dieser Satz hat beim Skitourengehen wirklich eine besondere Bedeutung. Es folgte eine lange Abfahrt zum Giebelhaus im Hintersteiner Tal. Jede Reise geht einmal zu Ende. Was bleibt sind die Erinnerungen und die Freude auf zukünftige Tage auf “den Brettern, die die Welt bedeuten”….
Ralf Günther und Manuel Sauer
Hoch(Ski)tourengruppe



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