Pitztaler Eisexpress im Juni 2009

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Die Ötztaler Alpen bieten ein reiches Angebot an Eiswänden, die erstens eine nicht ganz so
extreme Steilheit aufweisen, zweitens meist ohne verschärfende Umstände wie Schründe
und Seracs auskommen und drittens gerade mal so hoch sind, dass man den Grat erreicht hat, bevor die Waden allzu steif werden.

Gleich vier solcher kurzen Wände liegen eng beieinander. Es sind dies die Nordwände des
Taschach-Hochjochs, die der Petersenspitze, der Wildspitze und die Nordwestwand des Hinteren Brochkogels.
Am 11.Juni stiegen wir drei, Ute Zimmer, Holger Winning und Ralf Günther von Mittelberg
im Pitztal zum Taschachhaus auf, mit dem Ziel, einige dieser Nordwände zu durchsteigen.
Das Taschachhaus liegt auf 2432m, ist gut geführt, das Essen ist reichhaltig und gut, und ist
schon mehr mit einem Berghotel vergleichbar.

Am nächsten Morgen ging es schon früh los, die Wildspitze Nordwand sollte die erste sein.
Das Wetter war gut, lediglich der Wind war sehr stark, so dass wir alle drei kalte Finger bekamen. Die Ernüchterung kam auf den letzten 100 Hm vor dem Einstieg.

Diese Mulde etwa 40° steil, war vom abgeblasenen Nordwestgrat so stark mit Triebschnee eingeweht, dass die Lawinengefahr zu groß wurde. Kurzerhand wurde die Route umgelegt,
wir gingen nun über den Nordwestgrat zum Nordgipfel und dann zum Südgipfel und stiegen
über den Normalweg ab. Nach einem langen Rückweg ereichten wir zufrieden das Taschachhaus.
Auf einen durchstieg der Taschachwand musste ebenfalls auf Grund erhöhter Lawinengefahr
verzichtet werden. Wir nahmen uns nun die Petersenspitze Nordwand vor, denn hier hat es vor einigen Tagen einen Lawinenabgang gegeben und dadurch war die Wand jetzt relativ sicher.
Für den Durchstieg am nächsten Tag war ebenfalls ein früher Aufbruch erforderlich.
Wir hatten gute Firnverhältnisse in der max. 55° steilen Wand und haben auf Seilsicherung verzichtetet.
Im oberen Drittel wurde die Wand etwas blank, was uns aber keine Probleme bereitete.
Glücklich oben angekommen auf 3482m waren wir uns einig, aufgrund der tageszeitlichen Erwärmung auf einen weiteren Durchstieg der Brochkogel Nordwestwand zu verzichten.

Am Nachmittag, auf der Terrasse des Taschachhaus bei Sonne und Bier war noch zu beobachten, wie sich eine Dreierseilschaft in der Lawinengefährteten Taschachwand schwer tat und erst um 18:00 Uhr am Ausstieg ankam !?

Ralf Günther
Hochtourengruppe