Gute Stimmung am Falzarego-Pass

Diese Überschrift ist bewusst ambivalent zu lesen. Eine wirkliche „Bomben-Stimmung" lag über diesem berühmten Pass, als im 1. Weltkrieg Italien gegen die österreichischen Kaiserjäger hier um jeden Zentimeter gekämpft haben. Ein Wahnsinn, was sich Menschen gegeneinander und der Natur antun können. Noch heute erzählen mächtige Löcher und Stacheldraht im Berg von der „Sprengkunst" der beiden Armeen. Am Pass floss viel Blut junger Männer- ein Unsinn, noch heute....
Vorweg, bei unserem Kletterabenteuer am geschichtsträchtigen Pass floss kein Blut, sondern eher Schweiß (kein Angstschweiß).... Ralf Günther und Manuel Sauer von der Ski-Hochtourengruppe hatten genug von dem „ewigen Eis" der Ötztaler Alpen und wir wollten als Nachtisch mal wieder richtigen Fels in unseren Händen spüren.

Der Falzarego-Pass ist eine „Spielwiese" für Kletterer, Klettersteigler und Rennradfahrer. Trotz der doch gruseligen Geschichte haben dieser Pass und die Berge rings herum ihre besondere Aura erhalten. Cortina tief im Tal gilt als die Perle der Dolomiten. Eine durch und durch italienische Stadt - was man auch irgendwie an den Übernachtungspreisen spüren konnte. Was solls, neben Klettern kann man gute Weine und Dolce Vita genießen, da ist das Preisniveau wohl fast Nebensache. Das Kletterniveau ist in den Dolomiten auch eher gehoben. Man darf hier eigentlich nirgendwo darauf warten, dass hier alle Meter ein Haken steckt. Nein, nein, die Dolo-Kletterer pflegen ihre Kletterethik und Plaisir ist doch eher in deren Augen „modriger Mozzarella". Also einmal mehr beherzigen wir den Rat von Paul Preuß. Der Kletterpionier sagte schon vor langer Zeit‘: „Man darf einer Tour nicht nur gewachsen - sondern man muss ihr überlegen sein...". Wer möchte ihm da -insbesondere in diesem Gebirge- widersprechen!?

Wir kletterten zum Einen die Hexensteinkante, eine luftige Kletterei im 4. Schwierigkeitsgrad. Ein Tipp für potentielle Nachahmer. Bitte früh einsteigen, denn je später es wird, je mehr Mitbewerber kommen von der nahen Passstraße rüber und stellen sich dann an. Da es eine Kante ist, ist das mit dem Steinschlag nicht das größte Problem - nur an den Ständen ist dann halt wenig Platz. Am Gipfel angekommen blickten wir rüber zur Cinque Torri, ein Klettermassiv, was mich von der Silhouette her an Nevada oder so erinnert hat. Na ja, diese 5 Finger müssen noch warten, denn wir hatten nur noch wenig Zeit....

Am nächsten Morgen wollten wir die Südkante des kleinen Falzarego Turms klettern, um dann anschließend noch auf dem großen Falzarego Turm zu turnen. Irgendwie waren wir noch orientierungsmäßig in den Betten. Denn der Einstieg war uns nicht gleich präsent. Als wir uns schon anseilen wollten hörten wir gestresste Italiener, die in unserer geplanten Tour emporstiegen. Hmmmh, ok, dann noch mal zusammenpacken und den richtigen Pfad wählen. „Ob Du richtig bist oder nicht - dass sagt Dir gleich das Licht!" Wie bei „Eins, Zwei oder Drei" (mit Michael Schanze) standen wir dann am Einstieg.

Wer steigt vor?! Ok, ich kletter los. Noch mal den Gurt gecheckt -alles dabei? Ja, dann aber los. Wo ist der 1. Haken? Ralf lotste mich von unten - doch der 1. Haken war echt weit oben. Einfach mal kräftig durchatmen und dann war ich da. „Ups, dass soll eine 4er sein?!", dachte ich mir. Noch war ich nicht am Stand, und der Weiterweg war eine Verschneidung, die schon sehr wie eine Fünf ausschaute. Ich schaute kurz runter zu meinem Seilschaftspartner Ralf. Eine kurze Nachfrage, ob´s denn jetzt wirklich „unsere Route sei", beantwortete Ralf mit einem kurzen Kopfnicken. Na dann wird es wohl stimmen...

Um es vorweg zu nehmen. „Die Phantastische Vier" war dann doch eine Fünf. Also, wie die „Schiefe Anna" am Scharfenstein - doch hier bei einem anderen Ambiente. Als Ralf zu mir am Stand aufschloss, hörte es man schon an der Marmolada donnern. Das Wetter war unbeständig und gewittrig. Jetzt fing es auch noch ein bissl an zu regnen. Hier war der Punkt „of no return". Hier konnten wir ohne Probleme abbrechen. Aber durch Zauberhand hörte der Regen auf und zauberhaft war dann auch der weitere Aufstieg. Immer schön ausgesetzt und griffig. Am Gipfel war dann wieder „Dalli Dalli" angesagt, denn jetzt fing es schön an zu tretschen. Wir seilten uns noch mal ab und am Auto bin ich wie Hans Rosenthal „in die Luft gesprungen" als wir auf einer Postkarte sehen konnten, dass wir gerade die Comici-Route gemacht hatten und uns erst dann endlich „das Licht" aufgegangen war. Nun ja, dass passiert, wenn man nur einen Auswahlführer benutzt.....trotzdem (oder gerade deswegen) war unsere Stimmung nach dieser erhellenden Erkenntnis „bombig"!

Manuel Sauer
Hoch-Skitourengruppe