Giganten aus Granit

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Touren im Bergell und Valmasino

Das Bergell in der südlichen Bergwelt von Graubünden(Schweiz) ist von ganz
besonderen Reiz: malerische Dörfer, Türme und Nadeln aus jungen Granit, umsäumt
von Gletscherströmen, die Faszination des Piz Badile, der mit seiner kantigen und
zugleich eleganten Gestalt doch ein wenig Respekt einflößt.
Und dann deutlich von einem langen Grat getrennt, ganz im Süden, das Talbecken
des italienischen Valmasino, sonnig, trocken und überwiegend felsig - ideal für
Sportkletterer.
Unsere Tour begann im Bergell von der Albignahütte (2336m) aus, in der Nähe
des großen Albigna Stausees und ist mit Seilbahnunterstützung in einer ¾ Stunde zu
erreichen.
Wir vier, Rüdiger und Robin Bollerhei, Ralph Göttig und Ralf Günther haben uns heute eine Klettertour zur Punta Albigna (2825m) vorgenommen.
Gemeinsam klettern wir in zwei Seilschaften die Via Meuli, eine genussvolle Tour
von 11 Seillängen und Schwierigkeiten bis 4b. Am Ende der Route, ab dem großen
Schuttband kann man entscheiden, noch weitere 6Seillängen dranzuhängen, um über den Nordwestgrat (5a) den Gipfel zu erreichen.
Das Wetter ist schön, den Tag muss man ausnutzen haben wir uns gedacht, und somit bin ich mit Ralph noch bis zum Gipfel geklettert, und wurden tollen Ausblicken auf die südlichen Gletscher des Bergells belohnt.
Am nächsten Tag lockte die „Fiamma" (Flamme). Über den Nordwestgrat(4c) sind
wir zur Pazzacoldeira (2478m) aufgestiegen, und irgendwann standen wir vor der
wohl imposantesten Felsnadel im gesamten Alpenraum, die für ihren Aufstieg den sechsten Schwierigkeitsgrat fordert..............
Am Abend auf der Hütte wurden neue Pläne geschmiedet, das Wetter sollte sich am übernächsten Tag verschlechtern, aber Ralph und ich wollen noch auf den
Piz Badile (3305m), also schnell runter von der Albignahütte, Autofahrt bis Bondo, und Aufstieg zur malerischen Sasc Furä Hütte .
Rüdiger und Robin sind schon mit dem Auto ins Valmasino weitergefahren, wo wir uns in der Nähe von S.Martino am überübernächsten Tag wieder treffen wollen.
Der Aufstieg zum Piz Badile über seine Nordkante ist eines der begehrtesten Alpintouren überhaupt: 1400 Höhenmeter, 1000 Klettermeter und 28 Seillängen mit Schwierigkeiten überwiegend 4, stellenweise 5.
Morgens um fünf ging es bei uns beiden los.
Weitere vier Seilschaften waren unterwegs, zwei davon die schon am Einstieg biwakierten, um den morgendlichen Trubel aus dem Wege zu gehen.
Nach langer Kletterei im guten Granit, und tollen Ausblicken in die benachbarten Nordwände, erreichten wir schließlich den Gipfel. Nun stand noch der
Abstieg zur italienischen Gianettihütte bevor. Eine Abseilstelle folgte auf die nächste,
durch eine Schlucht mussten wir bis 4x Abseilen. Und dann endlich, buona sera,
die italienische Gianettihütte war erreicht.

Unsere Wetterprognose hat sich bewahrheitet, am nächsten Morgen regnete es in Strömen.
Wir waren froh, als wir nach einem rutschigen Abstieg über nasse Platten im
Valmasino ankamen und schon freudig von unseren Bergkameraden Rüdiger
und Robin in Empfang genommen wurden.
Und ab Mittag rissen die Wolken auf, die Sonne fing an zu scheinen, und die beiden zeigten uns mit Begeisterung die Klettergärten rund um S.Martino, wo sie sich schon zwei Tage die Finger langzogen.
Der nächste letzte Tag hatte noch einen tollen Abschluss, mediterraner Flair, Sonne, entspanntes Klettern am warmen, gut abgesicherten Fels, italienischer Abend,
klasse Kameradschaft, rundum, wir alle vier waren zufrieden. Super Woche.

Ralf Günther
Hochtourengruppe