Dreigestirne im Berner Oberland

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Ralf Günther, Jürgen Stanoschek und Ute Zimmer auf Eiger, Mönch und Jungfrau

oder

wie man in der Schweiz lernen und viel Geld sparen kann!!!!!!

Wie in jedem Jahr, so wurde auch für 2008 von aktiven Mitgliedern der Hochtourengruppe unter der Federführung des angehenden Fachübungsleiter Ralf Günther eine Tour in die Berner Alpen geplant.

Ursprünglich wollten 8 Bergkameraden an dem Unterfangen teilnehmen, aber, wie auch bei den 10 kleinen Negerlein verabschiedeten sich nach und nach immer mehr. Dem einen passte schließlich nicht mehr der Termin, den anderen zog´s nach Nepal, und den letzten zog die Erdanziehungskraft über den Lenker seines Mountainbikes. Als Ersatz für das „Abenteuer Mittellegigrat“ sprang kurzerhand eine Quotenfrau ein.

Nichtsdestotrotz startete eine kleine Gruppe am Samstagmorgen zu unchristlicher Zeit (4.00 Uhr) in Wabern, um gegen Mittag im sonnigen Grindelwald Jeans und Handtasche gegen Tourenhose und Rucksack zu tauschen. Nachdem der Bankautomat noch ein paar Franken ausgespuckt hatte, ging es auch schon mit der Jungfraubahn von Grindelwald Grund bis zur Station Eismeer (70,-- CHF). Es handelt sich bei diesem Preis nicht um ein Permit, wie man das von der Besteigung anderer spektakulärer Berge im Ausland kennt, sondern nur um die Fahrkarte und die Einlassberechtigung in die Katakomben zum Gletscher. Durch einen vereisten, saukalten, dunklen Stollen schlidderten wir zum Felsenausgang. Vor uns waren schon zwei junge dynamische Schweizer Bergsteiger auf dem Weg über den Challifirn zur Mittelleglihütte unterwegs. Gurte, Hardware und Seile waren schnell angelegt, und in dem Moment, als sich unsere Zweierseilschaft in Bewegung setzte, stürzte ein Megabergschrund vor uns zusammen. Gutes Timing ist alles, sonst wäre schon an diesem Punkt unsere Tour beendet gewesen.

Relativ flott gingen wir über den Gletscher, denn wir mussten eine Eisschlagzone passieren, und rund um uns rumpelte es nur so von Stein- und Eisschlägen. Anschließend ging es über heikles Felsgelände mit Kletterpassagen bis zum 3. Grad hinauf zur Hütte.

Die Mittellegihütte liegt auf 3350 m und gehört dem Bergführerverein Grindelwald. Der Mittellegigrat wurde 1921 zum ersten Mal im Aufstieg von dem Japaner Yoko Maki und drei Schweizer Bergführern begangen. Drei Jahre nach der Erstbesteigung des Grates wurde dank einer Spende von Yuko Maki die Hütte gebaut. Im Jahr 2002 wurde die alte Hütte durch einen Neubau mit 40 Schlafplätzen in Betrieb genommen. Seit 1995 wird die Mittellegihütte – traditionellerweise bisher immer von Frauen- bewartet.

Die Hüttenwartin Corinne empfing uns sehr freundlich, und nachdem der Flüssigkeitsverlust des Tages mit Blick auf einem romantischen Sonnenuntergang ausgeglichen war, bezogen wir unsere Schlafplätze im Bereich Bella Vista (natürlich fensterlos).

Früh am morgen, nachdem alle Bergführer mit ihren Kunden die Hütte verlassen hatten marschierten auch wir mit den Stirnleuchten den Grat hinauf. Und hier beginnt die „Spartour“, denn normalerweise geht ein Bergführer mit einem Kunden und dafür muss man locker 1220,--CHF abdrücken. Die Kohle haben wir mal eben eingespart. Die ersten Passagen gestalteten sich recht einfach und auch die Wegfindung war nicht besonders schwer. Die schwierigsten Kletterstellen sind mit Fixseilen, die an nordhessische Kälberstricke erinnern, abgesichert, und kosten viel Kraft und Hampelei im Aufstieg. Ein paar mehr Haken zum Sichern hätten uns doch mehr gebracht, aber der Schweizer Bergführer will ja nicht unbedingt, dass jeder Führerlose auf den Eiger kommt. Auf dem letzten Stück bis zum Gipfel geht man auf einem Schnee- und Eisgrat, den schon seinerzeit die Erstbesteiger Heckmeier, Vörg, Harrer und Kasparek benutzten, als sie aus der Nordwand kamen. Der Gipfel als solches war recht enttäuschend, kein Gipfelkreuz, keine Markierung, nichts; aber wir hatten ihn für uns allein.

Das war jedoch erst die halbe Miete und nun begann die Tour erst richtig. Es waren viele III Stellen vorhanden, und es gab etliche Abseilstellen. Ein Gendarm jagte den nächsten, es ging ständig im Eis und Fels bergauf und bergab. Ab dem südlichen Eigerjoch stapften wir nochmals über einen Gletscher hinunter um dann nochmals ca. 200 hm bis zum Mönchsjoch zu latschen. Es trifft zu, dass man vom Gipfel bis hierher genauso viel Zeit benötigt, wie von der Hütte bis zum Gipfel und nach anstrengenden 12 Stunden hatten wir das Ziel Mönchsjochhütte (3650 m) endlich erreicht (das ich das noch erleben durfte…..)

Hier wurden wir bereits von dem Bergkameraden Jürgen Stanoschek erwartet. Jürgen war an diesem Tag bei tollem Wetter allein auf dem Mönch (4107 m) und hat auf dem Gipfel eine Gedenkpause für einen daheimgebliebenen Bergkameraden eingelegt, der dieses Ziel bisher leider noch nicht erreicht hat. In der Hütte freundete sich Jürgen sehr schnell mit der Hüttenwirtin Heidi an, sodass wir immer sehr freundlich und zuvorkommend bedient wurden.

Die Wetterprognose für den Montag war leider nicht sehr positiv (auf der Hütte gab es TV und endlich einen Waschraum) und auch die Mammut - Tour vom Vortag steckte uns noch in den, nicht jünger werdenden, Knochen. Also war „Bildung“ angesagt.
Am Vormittag unternahmen wir einen kleinen Spaziergang zum Top of Europe - das Jungfraujoch. Wir bestaunten die hochalpine Wunderwelt in 3454 m mit Aussichtsterrasse, Eispalast, Ski- und Snowboardpark, Restaurants, viele Japaner und Inder mit Schlappen und Shirt. Nach dem wohlverdienten Mittagsschläfchen scheuchte uns der Fachübungsleiteraspirant auf den Gletscher. Hier übten wir unter seiner fachlichen Anleitung nach einer methodisch- didaktischen Einweisung die „Lose Rolle“, und haben wieder Schweizer Fränkli gespart, denn für diese Kurseinheit mit Bergführer hätten wir 200,--CHF hinblättern können.

Am Dienstagmorgen verließen wir neben ca. 50 weiteren Bergsteigern mit dem gleichen Ziel die Hütte, um die Jungfrau ( 4158 m) zu erklimmen.
Schon im 16. Jahrhundert wurde dieser Gipfel so benannt, und es gibt zwei Theorien, wie es zur Namensgebung kam:
Die Augustinnerinnen(Jungfrauen) des Klosters Interlaken besaßen Weiden am Fuße des Berges. Mit „Jungfrauenberg“ sollen die Weiden bezeichnet worden sein.
Nach der anderen Theorie erhielt der Berg den Namen Jungfrau, weil er vor der Erschließung mit der Jungfraubahn als völlig unzugänglich galt, da er praktisch nur von der Walliser Seite zugänglich war.

Den Weg hinab zum Sphinxstollen kannten wir ja bereits vom Vortag, hier deponierten wir all unser überflüssiges Gepäck, damit wir leichtfüßig über den Gletscher traben konnten. Angeseilt ging´s über den Jungfraufirn bis zum Einstieg. In leichter Kletterei marschierten wir über den Fels, um bis zum Rottalsattel zu spuren. Kurz und steil ( ca. 20 m /55 ° ) über den Bergschrund hinauf zum Sattel. Dank der vielen Sicherungsstangen, sind eine heikle Querung, sowie der Aufstieg zum Gipfel ziemlich entschärft. An diesem Tag nerven jedoch die vielen Seilschaften, die sich an den Stangen drängen und zum Teil schlecht ausgerüstet sind und dann auch noch das Material von den nordhessischen Sparfüchsen klauen. Der Ausblick auf dem Gipfel bei strahlendem Sonnenschein entschädigt für den vorangegangenen Stress.
Bei dieser Tour haben wir pro Person 975,--CHF eingespart, da wir ja im Vergleich zu vielen anderen, mal wieder auf die Führer verzichtet haben.
Nach dem Abstieg über den Normalweg geht es mit der Jungfraubahn zur kleinen Scheidegg. Um auch nach dieser 9 stündigen Tour den Verlust von Mineralstoffen und Spurenelementen auszugleichen war es sehr wichtig, dass wir hier endlich isotonische Getränke zu uns nahmen.

In Grindelwald mieteten wir uns in Lehmann´s Herberge ein, um erst einmal der Körperhygiene nachzukommen. Frisch und munter ließen wir die erfolgreiche Hochtour beim Italiener ausklingen. Am darauffolgenden Tag testeten wir den Klettergarten „Gletscherschlucht“ bei Grindelwald und zogen uns die Finger lang. Auch bei dieser Felsausbildung lernten wir wieder sehr viel Neues, wie zum Beispiel die „Cappeler Sicherung“, die Vorteile des neuen PUMA Kletterschuh usw. Ohne Guide haben wir natürlich auch wieder Kohle gespart, die wir am Abend schön zum Italiener bringen konnten um noch einmal in Erinnerung an die gelungene Tour zu schwelgen und um zu überlegen, was wir als nächstes in Angriff nehmen könnten.

Ute Zimmer

30.08.- 05.09.2008