Sektionsfahrt 2018 in die Wildschönau

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Der Alpenverein Sektion Kassel fährt am 15.7.2018 altbewährt mit dem Busunternehmen Berthold Bick aus Bad Emstal - dieses Mal mit neuem Bus, der unsere 48 Teilnehmer/-innen aufnehmen kann - in die Wildschönau. Bestes Wanderwetter ist bestellt und angekommen. Im Hotel Bergkristall, das auf einer Höhe von 820 m in Auffach-Mühltal liegt, fühlen sich die Gäste wohl. Das Essen ist sehr gut; es gibt ein sehr großes Schwimmbad und eine exklusive Saunalandschaft, der Spa-Bereich ist Klasse.
Am ersten Wandertag, Montag, dem 16.07.2018, nimmt sich die Besitzerin Michaela Thaler Zeit, im Bus mit uns zu fahren und Erklärungen über das Tal sowie die Lebensweise der Menschen in diesem Tal von früher und heute abzugeben. Die Wildschönau beinhaltet vier Ortschaften: Auffach, Oberau, Niederau und Thierbach. Thierbach hat 190 Einwohner und ist die kleinste Gemeinde, besitzt aber eine Grundschule. Einige Filme werden hier gedreht, z. B. DER BERGDOKTOR oder SOKO KITZBÜHEL. Die barocke Kirche wird z.Z. renoviert, doch für ein Lied des "Kirchenchors" vom Alpenverein halten die Handwerker inne.
Sehr bemerkenswert für uns: Im gesamten Tal gibt es noch 11 Schulen und keine Kriminalität!!! Morgens hat es kurz geregnet, doch ab 11 Uhr scheint die Sonne und lässt sich auch täglich bis zum Freitag Abend blicken.
Im Holzmuseum in Auffach befinden sich 2.500 Ausstellungsstücke. Strom für das Tal wird aus Wasserkraft erzeugt! Der erste Sessellift in ganz Tirol wurde 1946 im Ortsteil Niederau gebaut
Nach der Rundfahrt wird unsere "Fremdenführerin" von ihrem Mann und Hund abgeholt und wir fahren geschlossen mit der Seilbahn zum Markbachjoch (1.460 m). In drei Gruppen wollen wir hier wandern je nach Kondition: Die Gruppe Heidi übernimmt die Gruppe, die zur Graf-Hütte, Norderbergalm und zum Halsgatterl wandert und teilweise noch zum Roßkopf aufsteigt - insges. 4,5 Std., 445 HM.
Die Gruppe Jochen steigt vom Joch (1.460 m) auf zum Lahnerköpfl (1.500 m) und zum Roßkopf (1.730 m). Über die Käsealm/Holzalm mit Einkehr gehen beide Gruppen zurück zur Seilbahn. Die Sicht ins Inntal und zum Wilden Kaiser ist sehr gut. Die Gruppe Dieter genießt mit 11 Personen die tolle Aussicht auf dem Markbachjoch und dem Rundweg. Das war schon einmal ein gelungener Tag für alle Beteiligten!

Am Dienstag, 17. Juli fährt die gesamte Gruppe mit der Schatzbergbahn von Auffach zur Bergstation (1776 m). Hier empfing uns zuerst einmal ein Regenschauer, der aber Gott sei Dank schnell vorbei war. Wir bildeten drei Gruppen nach Leistungsvermögen; die Gruppe „Dieter" bestand aus 10 Personen, Gruppe „Heidi" aus 11 und die Gruppe „Jochen" aus 19 Personen. Die Gruppe „Heidi" wanderte zum Schatzberg (1903 m), anschließend weiter zum Speichersee und zur Joelspitze auf 1964 m. Hier machten wir an einem windgeschützten Hang unsere Mittagsrast. Anschließend ging es abwärts zur Schneebergalm, querfeldein über einen Weg ohne Bezeichnung mit kurzem Regenschauer zur Grasingalm. Von dort stiegen wir bergauf zurück zur Bergstation (insgesamt ca. 600 Hm, 5 Stunden). Die Gruppe „Jochen" wanderte ca. 4 Stunden, 545 Hm durch eine schöne Almlandschaft mit toller Fernsicht in die Nachbartäler. Auf der Gernalm wurde eine Jause eingelegt. Die Gruppe „Dieter" wanderte über 200 Hm ca. 3 Stunden einen Rundwanderweg um den Schatzberg.

Für heute, Mi., 18.7., war eine Tour mit Bus und Beppo in das Wandergebiet Kitzbüheler Alpen geplant. Über eine sehr schmale und steile Mautstraße fuhren wir zum Alpenhaus in 1670 m Höhe, um von dort aus in 3 Gruppen aufzusteigen. Die Gruppe um Dieter wanderte zum Alpenblumengarten, einige wenige erstiegen den Gipfel Kitzbüheler Horn (1996 m), während Heidi und Jochen mit je 1 Gruppe den Karstweg erwanderten, der an verschiedenen Stationen erklärt wurde und uns Einblicke in die Erdgeschichte der Kitzbüheler Alpen gab. Am meisten haben uns aber die wunderschönen Almblumenwiesen begeistert. Jeder von uns hatte einige Pflanzen erkannt, die anderen konnte uns Kurt erklären. Der Höhepunkt war aber ein sehr seltener Purpur-Enzian. Das gute Wetter trug dazu bei, dass die 3-stündige Wanderung sehr entspannt verlief. Nach einer ausgiebigen Einkehr im Alpenhaus mit Blick zu Tauern, Glockner, Venediger, Kaiser und Hahnenkamm/Streif brachte uns Beppo sicher wieder ins Hotel zurück.

Am Donnerstag, 19.7., brachte uns Beppo zur Schönangeralm auf 1173 m Höhe. Die Sonne strahlte vom Himmel. Weil es ein anspruchsvoller Tag werden sollte, wurden auch heute drei Gruppen gebildet. Die erste Gruppe startete mit Heidi Mand. 10 Minuten später wanderte die Gruppe von Jochen Moll los, den Schluß bildete Dieter Mennecke mit seiner Gruppe.
Die erste halbe Stunde hatten die drei Gruppen denselben Fahrweg Nr. 5. Dann bogen die ersten beiden Gruppen zu der 1230 m hoch liegenden Kundlalm ab. Diese besteht aus verschiedenen Ställen für jeweils etwa 8 bis 10 Kühe. Eine Hütte war bestimmt die Senn Hütte. Alle Hütten standen leer, sind etwas verwildert und haben neu eingedeckte Dächer (EU!). Weiter ging es bis zum Ende des Tales. Vor uns lag der Kastensteig. Wir kletterten über Wurzeln und Felsen etwa 100 m hoch bis zum Gressensteiner Wasserfall. Einige durch Nässe rutschige Stellen waren mit Seilen gesichert. Der verdiente Mittagspausenplatz wurde am Wasserfall erreicht. Nun war es nur noch ein kurzer Steig zum Glockenhausstein mit herrlichem Panoramablick über die Wildschönau.
Jochens Gruppe wanderte über den Kühbachgrund durch Latschen und Gehölz über eine moorige Hochebene mit reifen Heidelbeeren zur Teufelssteiner Fahrstraße und auf dieser bergab zum Schönanger Rundweg Nr. 52. Auf einem schmalen Steig ging es bis zur Schönanger Kapelle St. Josef und weiter zur Schönangeralm.
Heidis Gruppe bog beim Glockhausstein ab und folgte einem Latschen- und Weidengebiet zur Gressensteinalm auf 1805 m Höhe. Der Senner war abwesend, hatte aber verschiedene Getränke in einem Trog mit fließendem Wasser zur Kühlung bereitgestellt, und ein kleines Kastel für die Bezahlung aufgehangen. Nach einer Pause von ca. 40 Minuten wanderte die Gruppe auf dem Forstweg Nr. 52 zurück zur Schönangeralm.
Dieters Gruppe wanderte auf dem Schönanger Rundweg vorbei an der Schönanger Kapelle zurück zur Schönanger Alm zum wohlverdienten Abschluss aller Gruppen. Hier gab es für jeden etwas, sogar Heidelbeerkuchen mit frisch gepflückten Heidelbeeren - lecker.

Aus dem Wildschönauer Tal hinaus fahren wir am Fr., 20.7. über Wörgl hinein ins Alpbachtal und mit Kabinenbahn hoch auf 1800 m. Dieters Gruppe wählt den Panoramaweg herum um das Wiedesberger Horn, während Heidi und Jochen mit ihren Gruppen den sehr steilen Anstieg auf das Wiedersberger Horn, 2100 m, bewältigen. Es folgt eine tolle Gratwanderung für beide Gruppen, mit fantastischem Panorama: Karwendel, Rofan, Achensee, Kaiser, Tuxer, Zillertaler, Glockner. Zurück im Hotel, erfreut uns am Abend ein Konzert (Blasmusik) im Schweizer Hof.

Am letzten Tag, Sa., 21.7. gilt unser Besuch der wildromantischen Kundler Klamm, die sich von Mühltal hinunter nach Kundl im Inntal zieht. Beppo und sein Bus durften sich heute ausruhen, dafür konnte - wer wollte - zur An- und Rückreise den laut vor sich hin ratternden Wildschönauer Bummelzug besteigen. Da sich einige wenige Regentropfen zwischen den steilen Klammwänden verirrten, musste zur Abwechslung mal ab und zu der Regenschirm gezückt werden. Heidi's Gruppe stob - wie meistens - bereits nach kurzer Zeit davon und war bald außer Sicht- und Rufweite von Kurt und Anke, die - ganz nach dem Alpenvereinsmotto „der Weg ist das Ziel" - eher gemütlich vor sich hin bummelten, die Augen und Kameras nach rechts und links auf das was kreucht und fleucht gerichtet. Die Ausbeute reichte von einer höchst dekorativen Wespenspinne (sticht aber garnicht) über zahlreiche Wespenböcke (stechen nicht und hüpfen nicht), Nesselblättrige Glockenblumen (stechen auch nicht) und diverse Knabenkräuter (sind trotzdem zwitttrig) bis hin zum Aufgeblasenen Leimkraut (klebt nicht), Stendelwurz und gelbem Eisenhut. Im Gasthaus zur Kundler Klamm trafen wir dann zur freudigen Aufnahme von Kaffee und Kuchen wieder alle zusammen. Auf dem Rückweg gab es schließlich als wahres Highlight - noch nie gesehen, selten - den Begattungstanz eines Baldachinspinnenpärchens (nur wenige Millimeter groß) zu sehen, dem auch Jochen seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmete. Das Männchen hat es überlebt, Gott sei Dank, denn normalerweise verspeisen die Weibchen hernach das Männchen! Und auch wir blieben von Steinschlägen und ähnlichen Gefährdungen zum Glück verschont...immerhin sagte uns ein Schild erst am anderen Ende der Schlucht, dass die Klamm bei Regen eigentlich gesperrt ist.....

Am So., 22. 7. treten wir die Rückreise mit Wehmut an - könnten noch einige Tage länger bleiben - dies gilt auch für die Gastgeber, die sich sehr herzlich verabschieden! Herzlicher Dank an Familie Thaler! Auf der Fahrt zunächst Regen, dann wieder in die seit Monaten andauernde Trockenheit in Hessen. Großer Dank an Beppo, Dieter und Giesela Mennecke, Heidi und Jochen, sie alle trugen dazu bei, diese herrliche Wanderwoche unvergesslich werden zu lassen.

Text/Bilder: Marianne, Beate, Brigitte, Gudrun Kurt u. Anke, Jochen